Historie der Brauerei Ketterer
 

Am 1. November 1888 erwirbt Braumeister Wilhelm Sebastian Ketterer die Bierbrauerei des Georg Bettinger in der Sedan-Vorstadt am Weiherberg.

Die kleine Bierbrauerei, bestehend aus Sudhaus mit Wohnung, Eis-, Gär- und Lagerkeller wird nun von Wilhelm Sebastian Ketterer zielstrebig ausgebaut. Die Nachfrage nach seinem "Gold-Export" - Bier macht dies erforderlich.

Zwei Jahre nach dem Erwerb seiner Brauerei heiratet Wilhelm Sebastian Ketterer Luise Bercher, die Tochter eines Weingutbesitzers aus Oberrotweil im Kaiserstuhl. Zwei Söhne, Hermann und Wilhelm Franz, und eine Tochter, Maria, bilden schließlich die Familie.

Erstellung eines großen Sudhauses mit Malzsilo. Bau eines Kessel- und Maschinenhauses für die erste Dampfmaschine mit Kältekompressor.

Vergrößerung des Gärkellers, Erweiterung der Lagerkeller. Bau eines Stall- gebäudes an der Wagnerstraße.

Bau eines Verwaltungsgebäudes mit Wohnung und Fasshalle an der Jahnstraße.

Erweiterung des Kessel- und Maschinenhauses. Bau einer Stützmauer gegen den Weiherberg samt 56 m hohem Schornstein.

Nicht nur das Bierbrauen ist Wilhelm Sebastian Ketterer eine Herzensan- gelegenheit, sondern auch das Bauen und künstlerische Gestalten einladender Brauereigaststätten. So gelingt es ihm innerhalb kurzer Zeit in Pforzheim drei größere Gaststätten zu erstellen, deren Bedeutung noch heute unbestritten ist.

Erwerb der "Realen Schankwirtschaft Zum Güldnen Adler von 1479" am Pforzheimer Leopoldplatz. Abbruch des alten Gasthauses und Neubau einer ersten eigenen Großgaststätte.

des "Braustüble" bei der Brauerei an der Jahnstraße als Brauerei-Ausschank.

"Ketterers Schloßkeller" am Pforzheimer Bahnhofplatz öffnet seine Pforten.

Aber auch außerhalb der Stadt Pforzheim findet Wilhelm Sebastian Ketterer große Nachfrage für sein hervorragendes Bier.

wird mit dem "Großen Ketterer" am Karlsruher Bahnhofplatz ein erster Ausschank seines Bieres in der badischen Residenz möglich.

Der Jahresausstoß liegt inzwischen bei 30.000 Hektoliter.

Der erste Weltkrieg bringt einen schweren Rückschlag in der so erfolgreichen Entwicklung der Brauerei Ketterer: Wilhelm Ketterer entschließt sich, mit dem stark kontingentierten Malz nur noch Bier für seine eigenen Gaststätten zu brauen und alle anderen Kunden nicht mehr zu bedienen. So kann er mit dem zugeteilten Malz für den freiwillig dezimierten Kundenkreis nahezu ein "Friedensbier" herstellen.

Mit den beiden Söhnen Hermann und Wilhelm Franz Ketterer übernimmt die zweite Generation die Firmenleitung. Kriegs- und Inflationszeit haben die schier grenzenlose Schaffenskraft des genialen Gründers gebrochen.

Bau eines Großrestaurants mit 100-Betten-Hotel in Stuttgart.

Wilhelm Sebastian Ketterer, der Senior und Gründer seiner Brauerei, stirbt am 30. Juli 1931, wenige Tage nach dem plötzlichen Tod seiner über alles geliebten Tochter Maria. Seine Ehefrau Luise tritt als Gesellschafterin in die offene Handelsgesellschaft, in deren Rechtsform die Brauerei geführt wird, ein.

Es folgen Jahre des verfeinerten Technischen Ausbaues der Brauerei: Zunächst werden mit der Aufstellung hochmoderner glasemaillierter Stahltanks die letzten Lagerfässer aus Holz überflüssig und außer Betrieb genommen. Dann wird...

...die Gärkapazität durch den Einbau seinerzeit in der Fachwelt stark beachteter Gärbottiche aus Chromstahl erweitert, weil der Bierausstoß bis zum Zweiten Weltkrieg stetig steigt, dank der hervorragenden Qualität von KETTERER GOLD-EXPORT.

Bei Ausbruch des Krieges werden junge Brauer und Fahrer zur Wehrmacht eingezogen. Frauen oder pensionierte frühere Mitarbeiter halten den Betrieb, den Umständen entsprechend, aufrecht.

stirbt die Witwe des Gründers und Mitgesellschafterin Luise Ketterer.

Alle Lastkraftwagen, welche nicht von der Wehrmacht requiriert werden, fahren mit "Holzgas" als Treibstoff. Der Aktionsradius ist dadurch stark eingeengt.

Die sogenannte "Flurbereinigung" verbietet ohnehin den Transport von Bier zu auswärtigen Ausschänken, die dann auch bei frühen Luftangriffen auf Karlsruhe und Stuttgart so schwer beschädigt werden, dass ein geordneter Wirtschaftsbetrieb nicht mehr möglich ist.

Die Rohstoffe sind knapp und daher kontigentiert, bis schließlich in der Zeit des "Totalen Krieges" auch der Stammwürzegehalt von "Dünnbier" nurmehr 1,2% für Fassbier und 0,6% für Flaschenbier (das sind 0,4 bzw. 0,2% AIkohol) beträgt.

In den frühen Abendstunden des 23. Februar wird die Stadt Pforzheim durch einen schweren Luftangriff nahezu vollständig zerstört. Über 17.000 Mitbürger und durchreisende Wehrmachtsangehörige kommen in dem furchtbaren Inferno ums Leben.

Auch die Brauerei Ketterer fällt dem Hagel von Spreng- und Brandbomben zum Opfer, ebenso die eigenen Großgaststätten und kleinere Wirtschaften des auf das Kerngebiet der Stadt beschränkten Abnehmerkreises.

Es gleicht einem Wunder, dass von den Familien Ketterer niemand zu Schaden kommt.

Die eigene Produktion ruht gänzlich. Der bescheidene Bedarf an Bier in dieser trostlosen Zeit wird in befreundeten Brauereien im "Lohnbrau" hergestellt.

Die Währungsreform macht dem Tauschhandel ein Ende: "Arbeit lohnt sich wieder". Der beginnende wirtschaftliche Aufschwung lässt die Chancen zum Wiederaufbau steigen.

Auf dem Gelände der zerstörten Brauerei entsteht ein neues Sudhaus mit moderner Sudanlage, Malzsilos und Gärkeller. Einher geht der Wiederaufbau von Kessel- und Maschinenhaus, die Einrichtung von Lagerkeller und Flaschenfüllerei. In den Mauerresten des zerstörten "Braustüble" wird ein neuer kleiner "Brauereiausschank" installiert. Den Bierbedarf liefert zwar noch eine "Lohnbrauerei" doch am 8. August

braut KETTERER wieder sein erstes eigenes GOLD-EXPORT, das nach Gärung und Lagerung im November 1950 zum Ausstoß gelangt. Nahezu sechs Jahre der Ungewissheit über den Fortbestand des Unternehmens sind zu Ende. Die Familien Ketterer und die Freunde von KETTERER BIER sind überglücklich!

Im wiederausgebauten "Schloßkeller" am Pforzheimer Bahnhofplatz finden erste "Frühschoppenkonzerte" statt, die sich größter Beliebtheit erfreuen.

In einer schwierigen Phase der Absatzschaffung und Absatzsicherung für die wiederaufgebauten Produktionsanlagen stirbt Hermann Ketterer. Sein Sohn, Dipl.-Braumeister Peter Ketterer übernimmt die kaufmännische Leitung.

Dipl.-Brauerei-Ingenieur Willi Ketterer, Sohn von Wilhelm Franz Ketterer, übernimmt nach erfolgreicher Ausbildung als Brauer und Mälzer und Examen an der Techn. Hochschule zu Weihenstephan die technische Betriebsleitung.
Es beginnt die Periode der technischen Fortentwicklung und Kapazitäts- ausweitung für den steigenden Bedarf an KETTERER GOLD-EXPORT:

Mit der Aufstellung eines neuen Dampfkessels wird die Energieversorgung modernisiert und gleichzeitig erweitert. Der Einsatz zweier neuer Kieselgur- und Schichtenfilter garantiert höchste Glanzfeinheit und Stabilität des zum Ausstoß gelangenden Bieres.

Steigende Nachfrage nach KETTERER GOLD-EXPORT macht eine Erweiterung der Lagerkeller erforderlich.

folgen zusätzliche Gärbottiche mit moderner "Mantelkühlung" in den dafür erweiterten Gärkellern.

Damit KETTERER BIER auch bei vergrößerter Nachfrage optimal ausreifen kann, wird abermals die Kelleranlage vergrößert. Dieses Mal entstehen im "Stein- bruch" hinter der Brauerei gleichzeitig dazu noch Garagen und

eine neue Flaschenfüllerei für die Abfüllung von Bier und alkoholfreien Getränken.

Nach kurzer schwerer Krankheit stirbt Wilhelm Franz Ketterer. Es war ihm nicht mehr vergönnt, die im Wiederaufbau begründete erfolgreiche Entwicklung länger mitzuerleben.

Die Fortentwicklung der Brautechnologie verlangt die Aufstellung einer Whirlpool-Anlage für heiße Bierwürze mit neuer Kühlanlage und einem Anstellkeller.

Die Brauerei Ketterer erringt mit ihrem KETTERER GOLD-EXPORT den ersten GROSSEN PREIS bei der eben eingeführten Qualitätsprüfung für Bier der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft.

In den folgenden Jahren werden insgesamt achtzehnmal die Produkte von Ketterer mit dem GROSSEN PREIS und fünfmal mit dem SILBERNEN PREIS anlässlich alljährlicher Qualitätsprüfungen ausgezeichnet. Mit dem Einzug der Rechnersteuerung in den Brauprozess wird zunächst

die Würzekühlung, und dann

der Sudbetrieb automatisiert.

 
Die moderne Brauerei
Zur weiteren Qualitätsverbesserung, aber auch zur Leistungssteigerung und Umweltschonung werden:

bis heute weitere moderne Maschinen für die Flaschenfüllerei aufgestellt. Es handelt sich um Packmaschinen, Hochleistungsetikettierer, einen Bottle-Inspector sowie der wassersparenden und umweltschonenden Flaschen- reinigungsmaschine.

Die Einführung moderner KEG-Fässer mit Aufstellung der zugehörigen Wasch- und Füllanlage krönt das Jubiläumsjahr, das durch ein großes Fest mit etwa 4.000 Kunden und Freunden gefeiert wird.

In den Neunziger Jahren setzt die Privatbrauerei Ketterer konsequent die verfolgte Qualitätsstrategie fort: Palettierer, Flaschenfüller mit doppelter O2-Vorevakuierung, Etikettierer, Bottle-Inspector sowie ein neuer Einpacker mit einem Gesamtvolumen von 2,3 Mio DM garantieren ein heute einwandfreies und wirtschaftliches Arbeiten in der Flaschenfüllerei. An dieser Entwicklung ist maßgeblich Dr. Martin Ketterer beteiligt, der jedoch einige Jahre später dem Ruf eines international operierenden Hopfenverdelungswerkes nach Bayern folgen wird.

Das sich verändernde Verbraucherverhalten, das auch vor Pforzheim nicht Halt macht, erfordert von den Brauern am Weiherberg das Beschreiten neuer Wege: Der erste Sud KETTERER SEBASTIAN HEFEWEISSBIER wird eingebraut und erfreut sich einer ständig steigenden Beliebtheit.

Die konsequente Qualitätspolitik erhält ihre Bestätigung: Vom Präsidenten der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) wird der Privatbrauerei Ketterer der "Preis der Besten" in Gold verliehen. Damit gehört Ketterer zu einer von 20 Brauereien in ganz Deutschland, der diese derzeit höchste Auszeichnung im - wie Branchenkenner gelegentlich meinen - härtesten Biertest der Welt zuteil wird.

Die Privatbrauerei Ketterer ist ein Familienunternehmen, in welchem seit nunmehr vier Generationen menschliche Maßstäbe gelten und in dem Verantwortung nicht anonym, sondern an den Namen der Familie Ketterer gebunden ist. Mit dem Eintritt von Dipl.-Kfm. (Univ.) Michael Ketterer 1998 ins Unternehmen und der Übernahme der kaufmännischen Leitung im Jahr 2002 ist die Basis zur Fortsetzung dieser Familientradition geschaffen - einer Partnerschaft zum Wohle der Kunden und Mitarbeiter, die auf Qualität, Leistung und persönliches Vertrauen gebaut ist.

In einer spektakulären Aktion hat die Privatbrauerei Ketterer am 9. September ihre neue Flaschenwaschmaschine und den neuen Flaschenauspacker in ihrer Füllerei an der Pforzheimer Jahnstraße eingebracht. Mit einem Investitionsvolumen von mehr als 400000 Euro in diesem Jahr geht die traditionsreiche Familienbrauerei damit in die Umwelt- und Qualitätsoffensive.

Viele Grüße und Glückwünsche sind bei Ketterer am 10. Dezember einge- gangen. Peter Ketterer, der ebenso weit- wie umsichtige Seniorchef der Privatbrauerei Ketterer, feierte seinen 75. Geburtstag. In unnachahmbarer Weise hat er beinahe die Hälte der 115-jährigen Geschichte der Privatbrauerei Ketterer aktiv geprägt. Obwohl die Altersgrenze längst erreicht, ist er voller Schaffenskraft noch täglich in seinem Betrieb anzutreffen. Die sozialen Verpflichtungen gegenüber seinen Mitmenschen, aber auch die Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Pforzheim beeinflussen sein Wirken im Alltag mit Kunden und Mitarbeitern bis heute.

Im September konnten die Mitarbeiter der Produktion eine neue Fass- abfüllanlage in Betrieb nehmen. Mit einer Leistung von 40 Fass/h bietet sie insbesondere eine deutlich höhere Produktsicherheit. Durch entsprechende Kreis- und Rücklaufsysteme hat sie einen etwa 40% geringeren Wasser- verbrauch, somit kann auch die Abwasserbelastung deutlich reduziert werden. Wieder ein großer Schritt in eine umweltfreundlichere Zukunft.

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